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Anziehung. Passen Männer und Frauen zusammen? Partnerschaft fängt genau da an, wo der Rausch aufhört. Ich beginne den anderen zu sehen, wie er ist – mit seinen Vorzügen und Schwächen.
Botenstoffe
Im Anfang einer Beziehung spielen Botenstoffe eine Rolle, die für Verliebtheit, Anziehung, Schmetterlingen im Bauch und rosarote Brillen sorgen. Partnerschaft fängt genau da an, wo der Rausch aufhört.
Der Alltag, das bisherige Leben und die alten Gewohnheiten rücken wieder stärker in den Fokus. Da kann eine gewisse Nüchternheit aufkommen, vielleicht sogar Enttäuschung. Die ursprüngliche Anziehung ändert sich. Ich beginne den anderen zu sehen, wie er ist – mit seinen Vorzügen und Schwächen.
Es stimmt nicht, dass Männer und Frauen nicht zusammen passen. Wenn es gut geht, kann die anfängliche Verliebtheit zu einem sehr schönen, tiefen Verständnis und großer Vertrautheit werden. Das ist ein großes Glück und Geschenk.
Liebe verändert sich. Diese Sehnsucht, die knisternde Spannung, wird irgendwann ausgelaufen sein. Eine tiefe Nähe, Kuscheln, liebevolles Streicheln und Sexualität können bleiben.
Eine Vertrautheit entwickelt sich, die wärmt und über Körpernähe hinausgeht. Ein wohliges Gefühl, wie Wärme in orangem Licht. Ich fühle mich sicher, bedingungslos geliebt und zutiefst umsorgt. Ein geschützter Raum, wo ich ohne Maske sein kann. Den Kopf in den Schoß des Anderen legen und es ist perfekt.
Den anderen Menschen kennen lernen
Das geschieht nicht automatisch und das müssen beide wollen.
In dieser Phase werfen Viele voreilig die Flinte ins Korn. Mit einem neuen Menschen geht das Spiel von vorn los. Und wird vermutlich genau so enden.
Vielleicht lohnt es sich, inne zu halten und mich näher mit dieser Person zu beschäftigen, die mich doch schon eine Zeitlang begleitet.
Ich darf nicht davon ausgehen, dass das andere Wesen ebenso funktioniert wie ich selbst. Die anderen Handlungsmuster sind weder besser noch schlechter – sie sind schlicht anders.
Irgendwann habe ich entdeckt, dass Menschen das Nähe-Distanz-Spiel ganz unterschiedlich spielen. Ich mag Nähe und versuche jemandem, den ich mag, körperlich nahe zu sein. Wenn er zurückweicht, nehme ich an, dass er mich nicht mag. Ich habe festgestellt, dass es Individuen gibt, die einen Raum zwischen sich und mir brauchen, völlig unabhängig davon, ob da eine Anziehung ist, ob sie mich mögen oder nicht.
Erreichbarkeit
Die Fassade zeigt vielleicht eine coole Frau, die alles im Griff hat. Dahinter steckt möglicherweise ein Wesen, das klein und verletzlich ist und vermutlich hockt dahinter mindestens noch eine weitere Person, die sie niemandem zeigt und die sie selbst auch nicht anzusehen wagt.
Wenn ich den anderen kennen lernen will, dann setzt das für beide voraus, den anderen hinter die Fassade schauen zu lassen.
Gemeinsamkeiten
Klar – ich muss den anderen Menschen mögen und wir müssen harmonieren.
Darüber hinaus ist es hilfreich, Gemeinsamkeiten zu haben, wie ähnliche Wertvorstellungen und Weltanschauungen. Wenn beide aus einer ähnlichen sozialen Schicht kommen, ein vergleichbares Bildungsniveau haben und nicht zu unterschiedliche Einkommen und materielle Reserven besitzen, wird eine Beziehung besser funktionieren.
Gemeinsame Projekte verbinden. Das können ganz unterschiedliche Bereiche sein – Reisen, Erlebnisse, Leidenschaften, Tiere, Kinder, ein Haus.
Und jeder bleibt ein Individuum, auch in der Beziehung. Dazu gehören individuelle Freunde, Ausflüge, Begebenheiten, Erfahrungen.
Wertschätzung
Für ein gutes Zusammenleben gilt das gleiche, wie für das Zusammenleben überhaupt. Das sind ganz selbstverständliche Regeln, die jeder kennt. Probleme beginnen, wenn ich so sehr in meinen Angelegenheiten verstrickt bin, dass ich gedankenlos mein Gegenüber angreife, verletze oder ignoriere.
Der andere Mensch ist nicht dafür da, mich glücklich zu machen.
Ich kann den anderen nicht ändern. Ein gutes Zusammenleben ist nur möglich, wenn ich ihn genau so akzeptiere, wie er ist und ihn so achte und wertschätze.
Eine Beziehung beinhaltet ein Geben und Nehmen. Wir sind ein Team.
Und ja, Liebe gehört dazu, die Freude über diesen Partner – nicht weil er etwas Besonderes getan hat, sondern einfach, weil es ihn gibt. Da sollte Dankbarkeit sein, Dankbarkeit dafür, dass genau dieser Mensch an meiner Seite lebt und sein Leben mit mir teilt.
Ich darf den anderen Menschen nicht als selbstverständlich ansehen. Die einst geliebte Person gehört sonst irgendwann zum Inventar wie ein Schrank.
Krisen
Es wird behauptet: Streiten verbindet. Das kann so nicht stimmen. Streiten kann verbinden, aber nur wenn der Streit fair ausgetragen wird, wenn Kompromisse möglich sind und wenn es anschließend zu einer Einigung und Versöhnung kommt. Ich würde sagen, es gibt gutes und schlechtes Streiten.
Gespräch
Damit das Gefühl der Nähe und des Verstandenwerdens bleibt, ist das Gespräch, das Im-Austausch-bleiben, essenziell. Wie es uns geht, was uns bewegt, Wünsche, Bedürfnisse und auch, was uns nicht gefällt. Beide sind achtsam, hören zu, fragen nach und versuchen sich in den Partner hinein zu versetzen und ihn zu verstehen.
Sonst stehe ich eines Tages fassungslos da und frage mich: Wer ist dieser Mensch? Oder ich vergesse ihn gar, obwohl er immer da ist.
Zum Weiterlesen:
Zwei weitere Artikel zum Thema „Partnerschaft“:
https://www.raumfuermeditation.de/vertrautheit/
https://www.raumfuermeditation.de/verlieben/
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