Ewigkeit. Gibt es etwas, das wirklich ewig ist? Läuft „ewig“ auf eine ständige Gegenwart hinaus? Kann ich einen Hauch von Ewigkeit selbst und unmittelbar erleben?
Unter Ewigkeit wird zweierlei verstanden:
1. Ewigkeit als zeitliche Kategorie
Ewigkeit kann verstanden werden als ein unvorstellbar langer Zeitraum.
Das zeigt sich schön in der Märchenbeschreibung der Brüder Grimm:
„In Hinterpommern, da gibt es einen hohen Berg, der besteht von oben bis unten aus Diamant. Da kommt alle 100 Jahre ein Vögelchen vorbei und wetzt sein Schnäbelchen. Und wenn der ganz Berg abgewetzt ist, dann ist eine Sekunde der Ewigkeit vorbei.“
Die Ewigkeit ist dann zwar außerordentlich lang, aber immer noch begrenzt, also endlich. Und selbst wenn „Ewigkeit“ eine unbegrenzte Zeitspanne meint, ist immer noch an „Zeit“ gedacht, also an eine Aufeinanderfolge von Vorher und Nachher.
2. Jenseits der Zeit
Ewigkeit im Sinne von „Jenseits der Zeit“ meint etwas, das nicht im Zusammenhang mit Zeit gedacht werden kann. Das bedeutet nicht mehr Zeit, sondern eine ganz andere Kategorie.
Dazu fällt mir ein Zitat von Meister Eckhart ein:
„Das Nun, darin Gott den ersten Menschen schuf, und das Nun, darin der letzte Mensch vergehen wird, und das Nun, darin ich spreche, die sind gleich […] und sind nichts als ein Nun. […] darum ist in ihm [dem Menschen, der in der Gegenwart lebt] weder Leiden, noch Zeitfolge, sondern eine gleichbleibende Ewigkeit.“
„Ewig“ läuft dann auf eine ständige Gegenwart hinaus. Diese Ewigkeit ist immer da und im Hier und Jetzt.
Unverändert
Ist „ewig“ ein anderes Wort für „unverändert“? Kann ewig nur sein, was ganz exakt immer ganz genau so bleibt, wie es ist? Weil, wenn es sich irgendwie veränderte, dann irgendwann auch vorbei wäre?
Gibt es etwas, das sich nie – auch nur ein klein wenig – verändert?
In der normalen Realität kann es das nicht geben. Alles ist in Bewegung – von den Atomen bis zu den Sternen. Das gesamte Weltall ist in Bewegung.
Wenn ich mir vorstelle, es gäbe keinerlei Veränderung, dann würde ich nicht atmen, mein Herz würde nicht schlagen, die Sonne würde sich nicht weiter bewegen. Absolut nichts würde sich bewegen und verändern. Wie würde ich oder irgendjemand oder irgendetwas existieren können? Ohne Veränderung ist nichts oder es steckt für immer fest. Alles bliebe ewig, wie es ist. Wir könnten nicht sein.
Der Grieche Timaios sprach über das „immer Seiende, welches kein Werden zulässt“ und über das „immer Werdende, welches niemals zum Sein gelangt“.
Jetzt wird es schwierig.
Wenn ich an das Absolute denke, den Hintergrund aller Phänomene, der selbst von gar nichts mehr abhängig ist, jenseits von Ursache und Wirkung, aber ein unermessliches Potential von Möglichkeiten beschreibt, dieses Absolute ist unveränderlich und ewig. Es bleibt unaufhörlich es selbst.
Sobald ich aber die Gesamtheit von allem, was ist, betrachte, die auch ewig ist – diese Gesamtheit bewegt und verändert sich permanent.
Und auch Energie ist ewig und bringt immer wieder Neues hervor. Nichts ist endgültig verschwunden und damit völlig vergänglich. Aber es ändert immer wieder seine Form und wird dadurch anders.
Was ist ewig?
Gibt es etwas, das ewig ist?
Das Universum
Was Aristoteles sagte, klingt plausibel: Etwas Gewordenes kann nicht ewig sein und muss vergehen. Nur das Universum selbst ist nach ihm unvergänglich, ungeworden, ursprungslos und damit ewig.
Gott
Religionen projizieren das Ewige auf Gott:
Dann ist Gott eine außerweltliche Größe – jenseits. Jenseits von Zeit und Raum. Nur Gott ist demnach ewig und zeitlos. Vor und nach ihm ist niemand. Er ist immer, muss sich nicht entwickeln, ohne Anfang und Ende. Die Idee ist nicht nur „Ich bin, was ich derzeit bin“, sondern auch „Ich bin, was Ich gewesen bin“ und „Ich bin, was Ich sein werde und werde sein, was Ich bin“.
Und auch: Gott ist das pure Jetzt.
Aspekte des Geistes
Es gibt Aspekte des Geistes, des Gewahrseins, des Seins, die ungeschaffen, ungeboren, unbedingt, unkonditioniert, unveränderlich und jenseits von Zeit sind und damit ewig.
Meditation
Im Menschen gibt es einen inneren Ort, in der eine solche Ewigkeitserfahrung als eine Erfahrung von Zeitlosigkeit geschehen kann. Einen Hauch von Ewigkeit kann ich sinnlich selbst und unmittelbar erleben – in der Meditation.
Ein Schlüssel dazu ist „Mashöpa“, das „unverändert“ oder „unbewegt“ meint. Dieses „unbewegt“ gilt für den Körper, für die Sinne und für den Geist.
Im ersten Schritt bedeutet es, möglichst unbewegt, unberührt und unabgelenkt zu sein und nicht zu greifen.
Und im nächsten Schritt lautet die Anweisung unbewegt und unverändert zu verweilen in einem natürlichen Zustand, der ungeschaffen und unfabriziert ist. Der Schlamm setzt sich. Reines Gewahrsein. Alles so lassen, wie es ist.