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Fremde Welt. Der Vorschlag zu einer Reise, die beginnt, wo ich gerade bin – in eine ganz und gar fremde Welt. Es ist, als würde ich einen geheimen inneren Schalter umlegen, der das Blickfeld ohne Übergang in ein anderes Licht setzt.
Inhalt
ToggleEin Vorschlag
Der Vorschlag zu einem Abenteuer, das nichts kostet. Und dieses Abenteuer kann jederzeit beginnen, wo ich gerade bin – auch direkt vor meiner Haustür. Es geht um eine Reise in eine ganz und gar fremde Welt.
Was brauche ich, um diese fremde Welt zu finden?
Dazu brauche ich lediglich einen neuen Blickwinkel. Schon der Entschluss, auf diese Reise zu gehen, scheint alles zu verwandeln. Es ist, als würde ich einen geheimen inneren Schalter umlegen, der das Blickfeld ohne Übergang in ein anderes Licht setzt.
Der Wanderer steht bereit, die Welt, wie er sie kennt zu verlassen. Jenseits von Gewohnheiten – nichts bleibt selbstverständlich. Ich gehe in einem anderen Zustand – absichtslos. Mal sehen, was geschieht, einfach losgehen, kein Nachdenken, kein Ziel, keine Planung.
Der Kopf und das Herz gleichen einem aufnahmebereiten Gefäß. Ich bin leer und die Welt kann in mich einfließen; ich bin nicht mehr von ihr getrennt. So werde ich bereit, die Welt zu sehen, wie sie eigentlich ist.
Alles wird – ist – bedeutsam.
Was geschieht dann?
Ich verlasse das Haus und betrete die Straße, so vertraut, alltäglich, banal, selbstverständlich. Alles an seinem Platz, wie immer, die Kulisse gleicht dem Bekannten und doch – etwas ist anders. So hat sie noch niemand gesehen.
Die Welt ist neu, wie zu Beginn der Zeit, taufrisch. Nie gesehene Details, unglaubhafte Zufälle, direkte Hinweise, Zusammenhänge, Bedeutungen.
Wie kann das sein?
Es geht nicht um Esoterik oder Hokuspokus. Ich gehe davon aus, dass alles irgendwie in meinem Unterbewusstsein schon vorhanden ist. Es geht darum, Dinge aus meinem Unterbewusstsein zu holen, die da sind, aber verborgen, tief vergraben, verschüttet.
Das ist eine andere Art der Meditation oder Kontemplation, gesteuert von einer anderen Art von Achtsamkeit. Ich sehe etwas – und irgendetwas sehe und entdecke ich immer – und lasse meiner Imagination freien Lauf. Da kommen Dinge hoch und ich lasse die Bilder wirken. Bis ich auf einmal etwas erkenne.
Etwas von Film oder Traum, nicht ganz wirklich – oder besser: auf eine unbekannte Art wirklich. Das hat dann schon etwas von Magie. Das ist eine Wiederverzauberung der Welt. Die Welt wird geheimnisvoll, unerwartet. Ursache und Wirkung gelten nicht mehr. Neue Gesetze, Möglichkeiten, nie bedachte Bedeutungen. Undenkbares wird wahrscheinlich.
Eine Frage, eine Absicht oder auch nicht
Vielleicht geh ich mit einer großen Frage los oder auch einer, die mich momentan beschäftigt, etwas, wo ich nicht weiter komme. Wer bin ich? Wo komme ich her? Wo geht mein Weg hin? Weshalb bin ich hier? Was soll ich tun? Oder konkreter: Weshalb begegnen mir diese Partner, Vorgesetzten, Lehrer, Eltern, Nachbarn? Wie werde ich glücklich, reich, gesund, frei?
Ich kann aber auch einfach losgehen, absichtslos und Antworten auf Fragen finden, die ich gar nicht bewusst gestellt habe.
Eine Absicht beschert ein Dilemma. Ein Ergebnis ist nur zu erwarten im Zustand der Absichtslosigkeit. Ich finde nur, wenn ich loslasse.
Deshalb: Vor Beginn der Reise bedarf es einer eindeutigen, tief verankerten Absicht (wenn ich etwas Konkretes, vorher Definiertes, herausfinden will), die ich mit dem Losgehen entlasse, damit sie entweder für die Dauer der Reise in tiefere Schichten absinkt oder gerade noch erinnerbar am Rande des Bewusstseins haftet, aber den intuitiven Bereichen die Führung überlässt.
Ich nehme all das, was mir begegnet, als eine Anregung. Was könnte das mit mir zu tun haben? Was sagt mir die Welt?
Was mir diese fremde Welt zeigen kann – ein Beispiel
So starrte ich einst ins hohe Gras und nahm ein an langen Halmen schwankendes Spinnennetz wahr, darin eine Spinne in modischem Türkis mit langen pinkfarbenen Beinen. Nach kurzer Zeit erschien im selben Netz eine weitere türkisfarbene Spinne mit grell leuchtenden Beinen, doch deutlich kleiner. Sie steht still, geht entschlossen auf die andere zu, die Körper krümmen sich zueinander, verharren in zeitloser, regungsloser Vereinigung. Schließlich löste sich die kleinere, ließ sich abrupt in die Tiefe fallen, erkletterte flink einen hohen Halm und flüchtete wie auf unsichtbarem Faden, als wenn sie auf dem Winde ritt. Die größere blieb noch eine Zeitlang starr, bewegte sich dann etwas, ist wieder ganz da, verfolgt aber nicht.
Damals trug ich die Frage nach meiner Herkunft in mir. Welch reiche Antwort – meine halbe Lebensgeschichte. Ich dachte an zwei mal acht Spinnenbeine, sechzehn, Zahl der Perfektion. Aus der Vereinigung von Yin und Yang bin ich entstanden. Ich erkannte nicht und konnte noch nicht erkennen, weil sich vieles erst Jahre später entwickelte, was dieses Bild über meinen Umgang mit Frauen sagte (sehr attraktiv und sehr gefährlich), mit Menschen generell, über meine Ängste (festgehalten, angegriffen zu werden, fehlendes Vertrauen), meinen Mut, meine Mutter (gefährliche Übermacht), meinen Vater (was habe ich von ihm übernommen?), meine Familie (schwankendes Netz, gefangen), meine Kinder, mein Leben … .
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