Lauschen – ein Ton in meinem Ohr

Lauschen. Kann ich Stille hören? Ist da etwas? Ein Echo aus einer anderen Galaxie, aus der Unendlichkeit? Ein ganz feiner Meditationsgegenstand.

lauschen

Da ist immer irgendein Geräusch – ob ich nun bewusst darauf achte oder nicht. Ein Auto fährt vorbei, ein Vogel singt. Das ist einfach Teil unserer Welt.

Die Ohren nehmen immer etwas auf, das außerhalb von mir ist. Das was in mir geschieht, nehme ich fast nie wahr.

Ich kann aber auch in die andere Richtung lauschen und buchstäblich in mich hineinhören.

Das Ohr ist eine Tür zwischen innen und außen. Es ist ein Zugang zu meinem Inneren. Es ist fast so, als ginge ich in eine Höhle.

Ich höre in mich hinein. Ich muss schon genau hinhören. Ist da etwas? Da kommt die Achtsamkeit von selbst. Ich spüren, was ist.

Ist da vielleicht ein Ton?

Etwas in mir wird weit. Vielleicht macht sich ein Ton bemerkbar, ein Ton der mich leitet, der mich immer tiefer hinein zieht. Die Ohren dehnen sich in den Ort hinein, an dem die Töne ihren Anfang nehmen und wieder enden.

Im Inneren formt eine verborgene Musik ein Universum aus Klängen. Wie hört sich das an? Klänge nahe der Stille. Da kann so etwas sein wie ein feiner, ganz hoher Ton, so gerade noch an der Hörgrenze. Da ist ein ganz zartes, lichtes Pfeifen oder ein Summen. Oder es ertönen Klänge, die dem Rauschen von Meeresschnecken ähneln, wenn man sie ans Ohr hält. Oder ein Ton, wie er entsteht, wenn ich die Ohren verschließe oder wie man ihn manchmal in Höhlen hört. Vielleicht ist das Geräusch auch stark wie ein Brausen oder ein aufkommender Sturm.

Es soll zehn verschiedene innere, kosmische Töne geben, behaupten Sufis, und jeder Mensch habe einen bestimmten Grundton. Ein Ton sei wie der Sturm, ein anderer wie das Rollen des Meeres, wie Glockenklang, wie das Rauschen von Wasser, Bienensummen und Spatzengezwitscher, ein Pfeifton. Neben diesen sieben leichter zu erreichenden Tönen gebe es noch drei höhere, spirituelle, nämlich den heiligen Ton „hu“, „Er“, den Ton „m“, verwandt mit der Keimsilbe „om“, und schließlich einen geheimnisvollen Ton, der nicht mehr beschrieben werden kann.

Ich lenke meine Aufmerksamkeit auf meine Ohren oder besser auf mein inneres Hören! Das absorbiert meine ganze Aufmerksamkeit. Ich höre genau hin, lass es innerlich ganz still werden und lausche! Ich sollte geduldig sein mit mir! Wenn ich nichts bemerke, ist es auch gut. Wichtig ist die Aufmerksamkeit. Vielleicht gelingt es beim nächsten Mal.

Kann ich die Stille hören?

Das ist ein Ton, den nur ich höre. Gibt es den Ton überhaupt? Eine schwierige Frage. Auch den Ton, den alle hören, ist doch nur ein Konstrukt meines Geistes, das dieser aus Sinneseindrücken bastelt. Was gibt es denn überhaupt wirklich? Ist alles leer? Da kann ich mich konkret auf die Suche machen. Wo kommt dieser Ton her? Ein Echo aus einer anderen Galaxie, aus der Unendlichkeit?

Weshalb ist das hilfreich?

Wenn ich wissen will, was wirklich ist, dann muss ich mich von der Welt da draußen einen Moment lang abwenden und die Aufmerksamkeit nach innen richten. Die letztendliche Wahrheit ist nirgendwo sonst.

Mit diesem Ton bin ich schon ziemlich nahe an Stille und Leere. Der Übergang von diesem Ton zum Nichts ist nicht mehr weit. Das Lauschen erschließt den Bereich jenseits, wo nur Ruhe und Frieden herrscht.

Ich lausche, wie ein ganz kleines Kind lauscht oder ein Häschen – frei von Vorstellungen und Berechnungen. Ich lege innerlich alles ab, lasse alles fallen. Weder nachdenken, noch abdriften. Ich weiß jetzt, dass ich jetzt höre.

Sind da Gedanken?

Wer ist das, der lauscht? Bin ich noch da?

Durch das Hören schmilzt alles. Die Leerheit entfaltet sich, dehnt sich aus. Da ist die Zeit ohne Zeit und endloser Raum. Es gibt ein Gewahrsein jenseits von Subjekt und Objekt. Da ist immer noch ein Wahrnehmen, ein Sehen und Hören, obwohl da kein Denken und keine Emotionen sind. Da ist nur noch Achtsamkeit und Wachheit und Klarheit und nichts anderes.

Meditationsgegenstand

Das hat viel mit Meditation zu tun. Meditation ist nach einer wichtigen Definition der Zustand der Achtsamkeit. Um diese Achtsamkeit zu erreichen, also nicht mehr von meinen Gedanken hierher und dorthin getrieben zu werden, verwende ich einen Meditationsgegenstand. Das kann alles sein, das in der Lage ist, meine Aufmerksamkeit zu fesseln. Und eben auch das Hören auf einen Ton in mir selbst.

Immer feinere Meditationsgegenstände

In dem Maße, in dem ich mit der Meditation vertraut werde und je besser ich die Achtsamkeit halten kann, um so feiner kann der Meditationsgegenstand werden. Eine Möglichkeit um in die Richtung zu kommen, Leere zu verstehen, ohne den Intellekt anzusprechen, ist es eben, immer feinere Meditationsobjekte zu verwenden – wie auf den inneren Ton zu achten.

   Hier geht’s zu den Tipps zur Meditation:

https://www.raumfuermeditation.de/meditation-tipps/

Das ist die Startseite zu “Raum für Meditation”: 

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