Mein Rhythmus. Eine Kalligraphie zu „wild“

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Mein Rhythmus. Meditation ist kein mit Ehrwürdigkeit aufgeblasenes Ereignis. Sie ist so natürlich wie essen oder atmen. Ich müsste mich nur hinsetzen und alles so sein lassen, wie es ist.

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Eine Kalligraphie ist immer eine Symbiose aus Form und Inhalt. Wenn ich diese Kalligraphie betrachte, fällt mir die Harmonie auf. Das ist mit Bedacht entstanden – wie mit ruhiger Hand gemalt. Da ist kein übermäßiger Schwung. Das ist eher monumental. Mich erinnert das Zeichen an einen riesigen Säulenkaktus. Der steht da einfach. Er kümmert sich nicht um rechts und links. Er steht fast wie ein Berg.

Das ist ein Statement.

Der Inhalt

Das Zeichen bedeutet „wild“. Diese Bedeutung scheint auf den ersten Blick gar nicht mit der Form des Zeichens zu korrespondieren. Bei „wild“ denke ich an ungeordnet und wirr, an Chaos, an maßlos.

Hier könnte ein anderer Aspekt von „wild“ gemeint sein. „Wild“ kann auch „ungeplant“ und „ohne Regel“ bedeuten. Wo Menschen nicht planen und keine Regeln setzen, kann sich etwas so entfalten, wie es seiner Natur entspricht. Dann bezeichnet „wild“ etwas, das sich in einem natürlichen Zustand befindet.

Da hat kein menschlicher Wille eingegriffen. Da ist nichts urbar gemacht oder domestiziert. Ein Tier ist nicht in einen Stall oder eine Weide gezwungen und ihm ist kein Zaumzeug und kein Sattel angelegt.

Wild folgt es seinem eigenen Rhythmus. Es ist lebhaft oder ruhig, friedlich oder erregt. Diese freien Lebewesen müssen nicht wild hüpfen und springen. Sie können auch sehr gemächlich leben.

Das Zeichen

野生

Das Zeichen bedeutet „wild“ oder „urwüchsig“. In der Kalligraphie erscheint es in umgekehrter Reihenfolge.

Was will der Meister damit sagen?

Es geht, um mein Verhalten, mein Sein, um meine Meditation und um das Ergebnis der Meditation.

Mein Sein

Das bedeutet nicht, dass ich mich verrückt oder chaotisch benehme. „Wild“ heißt, ich biege mich, aber ich lasse mich nicht verbiegen. Ich lebe ganz selbstverständlich so, wie es in diesem Augenblick angemessen und natürlich ist.

Ich bin klein, wenn das meine Art ist und ich bin groß, wenn das meine Art ist. Ich denke nicht lange darüber nach, wie ich denn nun gerade wild sein soll. Oder was die Menschen dazu wohl meinen könnten.

Ich bin ohne Anspannung und ohne große Erwartungen. Ich bin offen für das, was ist. Ich ziehe wie eine Wolke am Himmel – ich fließe kontinuierlich wie ein Bach.

Ich lebe ohne vorgegebene Regeln, so, als hätte ich alles vergessen. So beschreiben die chinesischen Weisen des Taoismus den vollkommenen Menschen.

Wenn ich das auf die Meditation beziehe

Auf die Meditation bezogen gilt das gleiche. Sie ist wild im Sinne von: keine besonderen Regeln. Es braucht keine Absicht oder Anstrengung. Die Meditation ist kein mit Ehrwürdigkeit aufgeblasenes Ereignis. Sie ist so natürlich wie essen oder atmen. Ich müsste mich nur hinsetzen und alles so sein lassen, wie es ist.

Wenn ich den Geist in Ruhe lasse, dann setzt sich alles in seiner eigenen Zeit. Die Gedanken wirken wie durchscheinend. Sie stören nicht. Da ist kein gut oder schlecht und auch keine Zweifel. Es wird schon richtig sein.

Okay. Im Anfang muss man schon etwas üben. Ich muss die Technik erlernen. Das ist wie beim Klavierspielen oder beim Auto fahren. Erst muss ich lernen, wie es geht. Und hinterher geht es ganz von selbst.

Der Zustand, der nicht mehr verbessert werden kann

Wild“ bezieht sich auch auf diesen großartigen Zustand, der durch die Meditation schließlich erreicht werden kann – ein Zustand natürlichen großen Friedens, der nicht mehr verbessert werden kann. Natürlicher großer Frieden. So ist es wirklich.

Dieser Zustand lässt sich nicht besser beschreiben als mit den Worten Buddhas:

Tiefgründiger Friede, natürliche Einfachheit,
nicht-zusammengesetzte lichte Klarheit.

Über die Kalligraphie

Die Kalligraphie ist in der Mitte des 20. Jahrhunderts entstanden. Der Kalligraph nennt sich . Das kann der Graveur heißen. Mehr habe ich über ihn nicht herausgefunden.

raum-fuer-meditation

 

Diese Kalligraphie und viele weitere sind auch in einem Buch enthalten und kommentiert:

ZEN + NICHT-ZEN. Gedanken zu ostasiatischen Kalligraphien

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Dieser Beitrag hat einen Kommentar

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