Was ist Stolz? Bin ich stolz?


Was ist Stolz? Der Stolz hat ein schlechtes Image. Er gilt als eines der Grundübel. Aber Obacht. Stolz ist nicht gleich Stolz. Es gibt mehrere Aspekte von Stolz, die unterschiedlich zu bewerten sind.

 

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Stolz ist ein Gefühl von Zufriedenheit mit mir selbst und Hochachtung meiner selbst in Bezug auf eine eigene Handlung, die ich als Leistung oder als etwas Anerkennenswertes ansehe.

Der Stolz hat ein schlechtes Image. Er gilt als eines der Grundübel und wird mit Eitelkeit, Überheblichkeit, Selbstgefälligkeit und Arroganz in Verbindung gebracht.

Stolz gehört zu den christlichen sieben Todsünden: Stolz, Geiz, Wollust, Zorn, Völlerei, Neid und Faulheit.

Buddhistisch gehört Stolz zu den „die 5 Gifte“ genannten störenden Emotionen: Begierde, Wut, Verblendung, Stolz und Eifersucht.

Aber Obacht. Stolz ist nicht gleich Stolz. Es gibt mehrere Aspekte von Stolz, die unterschiedlich zu bewerten sind.

Bis zu einem gewissen Grad ist Stolz gar nicht so schlecht oder sogar hilfreich.

Positive Wirkung von Stolz

Wenn ich stolz auf meine Leistungen sein kann, macht mich das zufrieden. Ich fühle mich bestätigt, gewinne Selbstvertrauen und fühle mich im Gleichgewicht.

Stolz fördert Ehrgeiz, Ideen und meinen weiteren persönlichen Erfolg. Er kann mich ermutigen, weiter zu machen und mich dazu antreiben, das Beste aus mir herauszuholen. Stolz gibt mir Kraft und die Zuversicht, Herausforderungen zu meistern.

Dann kann ich auch Rückschläge leichter verkraften. Vielleicht hilft mir die Erinnerung an frühere Erfolge, mich nicht unterkriegen zu lassen, selbst wenn ich mich in einer misslichen Lage befinde.

Das nennen Christen Gottvertrauen. Gottvertrauen meint die Zuversicht, dass es schon gutgehen wird.

In Tibet spricht man von Vajrastolz. Damit zeige ich mich, in dem Bewusstsein, dass ich etwas kann, aber ohne Überheblichkeit und ohne Aufhebens darum machen, in einer gewissen selbstverständlichen und natürlichen Würde.

Meine eigene Leistung

Wirklich stolz kann ich nur auf etwas sein, das ich selbst geleistet habe.

Vieles ist einfach Glück. Das sollte ich nicht mit Leistung verwechseln.

Ein guter Indikator ist die Reaktion von anderen. Wenn mir jemand objektiv zeigt, dass ich etwas gut gemacht habe, dann ist da ein gewisser Stolz vermutlich gerechtfertigt.

Alles was ich bekommen habe, was ich geerbt und erlebt habe, das ist ein Geschenk. Darauf kann ich letztlich nicht stolz sein. Aber ich darf meine Fähigkeiten und das, was ich habe, wertschätzen und mich darüber freuen.

Das gleiche gilt für meine Herkunft. Ich darf mich darüber freuen, in einem wohlhabenden und freien Land zu leben.

Kann ich darauf auch stolz sein? Ist ein Deutscher zu sein eine Leistung?

Nachteile von Stolz

Wie immer kommt es auf das rechte Maß an.

Ich sollte mir auf meine Leistungen nichts einbilden, nicht eitel, arrogant oder überheblich werden und mich nicht für überlegen halten.

Ich könnte versucht sein, ein Gelingen als selbstverständlich ansehen.

Ich ruhe mich vielleicht auf meinen Lorbeeren aus. Wie stolz bin ich auf das, was ich einmal gemacht habe und vergesse die Gegenwart.

Stolz könnte mich dazu verleiten, zu meinen, ich könnte schon alles. Das würde mich daran hindern, weiter zu lernen und mich belehren zu lassen.

Gründe für kranken Stolz

Es ist die Kraft der Verblendung, die überheblichen Stolz entstehen lässt. Stolz hindert mich daran, die Realität zu sehen, wenn mein Fokus so stark auf mich selbst gerichtet ist. Ich denke vielleicht, ich habe etwas erreicht und stehe tatsächlich erst ganz am Anfang.

Ein nach außen gezeigter Stolz kann aus dem Wunsch entstanden sein, Erfolg zu suchen, um von anderen geliebt, anerkannt, respektiert oder bewundert zu werden und kann seine Ursache in einem gestörten Selbstwertgefühl haben.

Vielleicht möchte ich besser dastehen als ich bin und sogar für Eigenschaften bewundert werden, die ich gar nicht habe oder für etwas, das ich gar nicht selbst getan habe.

Was kann ich gegen krankhaften Stolz tun?

Ich könnte mich vorbehaltlos kritisch betrachten.

Ich könnte auf andere hören, die mir einen Spiegel vorhalten.

Im tibetischen Buddhismus gibt es eine Übung, die gegen übermäßigen Stolz hilft, die „Niederwerfung“ heißt und zu einem ganzen Set von Übungen gehört, die dazu geeignet sind, mich grundlegend zu ändern.

Niederwerfung“ ist ein gleitender Bewegungsablauf, bei dem der Körper sich, ausgehend von einer aufrecht stehenden Position, nach vorn beugt, bis die Handflächen den Boden berühren und den Körper stützend nach vorn gleiten, bis der Körper lang ausgestreckt auf dem Boden liegt. Die Hände gehen in Gebetshaltung nach oben, stützen dann den Körper am Boden ab, um wieder in die aufrechte Position zu kommen.

Als spirituelle Übung ist sie als Verbeugung und Verehrung anzusehen verbunden mit Rezitationen und Visualisierungen.

Diese Übung soll 100.000 mal wiederholt werden.

Auch Meditation kann gegen Stolz helfen. Im unabgelenkten Zustand der Meditation gibt es keinen Stolz.

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