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Willensfreiheit. Weshalb ist diese Frage so wichtig?

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Willensfreiheit. Die Frage, ob wir einen freien Willen haben, ist eine der wichtigsten Fragen überhaupt. Denn davon hängt ab, ob wir für unsere Taten verantwortlich sind und für sie zur Verantwortung gezogen werden können.

Welcher der konkurrierenden Impulse in mir bildet sich als Wille heraus – und warum?

Die Frage, ob wir einen freien Willen haben, ist eine der wichtigsten Fragen überhaupt. Denn davon hängt ab, ob wir für unsere Taten verantwortlich sind und für sie zur Verantwortung gezogen werden können.

Wenn jede Entscheidung nur das Ergebnis von äußeren Umständen ist, die wir nicht kontrollieren und nicht kontrollieren können, könnten wir nicht anders handeln als wir gehandelt haben und wären für unser Handeln nicht verantwortlich.

Wenn ich doch nichts machen kann, ist es müßig, meine Situation, mein Handeln und meine Absichten zu beurteilen und mir Gedanken zu machen, ob ich mich und mein Handeln ändern sollte.

Wie können wir einen anderen Menschen verurteilen, wenn er gar nicht anders konnte?

Ist Verantwortung nur eine nützliche Idee, damit eine Gesellschaft funktioniert?

Was bedeutet hier „frei“?

Es gibt in der realen Welt nichts, das nicht von Ursachen und Bedingungen abhängig ist und deshalb als absolut frei angesehen werden kann. Deshalb kann auch der Wille des Menschen nicht absolut frei sein.

Wenn wir dennoch von einem freien Willen sprechen wollen, müssen wir Kriterien für diese Freiheit nennen.

Eine Entscheidung gilt als frei:

  1. wenn die Person zwischen Alternativen wählen kann.

  2. wenn die Person selbst entscheidet.

  3. wenn die Person in ihrer Entscheidung keinem Zwang unterliegt.

Dieses „Keinem-Zwang-Unterliegen“ braucht eine Ergänzung:

Auch ein innerer Zwang ist ein Zwang. Ich kann nicht wirklich frei sein, wenn ich in einer Sucht gefangen bin. Und selbst wenn ich frei entscheide, dass ich jetzt nichts esse, werde ich doch irgendwann etwas essen müssen.

Und Überlegungen zum freien Willen sind nur sinnvoll für bewusste Entscheidungen – für Entscheidungen, die zumindest teilweise reflektiert und aus prinzipiell einsehbaren Gründen zustande gekommen sind.

Für eine Handlung, die aus einer unüberlegten Entscheidung resultiert, könnte ich aber trotzdem zur Verantwortung gezogen werden.

Eine Entscheidung wird durch so Vieles beeinflusst

Selbst wenn die Bedingungen 1 – 3 erfüllt sinddann ist meine Entscheidung doch immer noch durch alles Mögliche beeinflusst.

Eine Entscheidungen ist vorprogrammiert und mitbestimmt durch Erbanlagen, Wahrnehmung, Erziehung, Lernprozesse, Gesellschaft, Konventionen, Vorstellungen, Erwartungen, Wünsche, Emotionen, Hormone, Dopamin-Schübe, Süchte. Die Einflüsse sind unendlich.

Wie kommt eine Entscheidung zustande?

Warum entscheide ich mich genau so? Welcher der konkurrierenden Impulse in mir bildet sich als Wille herausund warum?

Manchmal flackert eine Entscheidung kurz hin und her oder rotiert, wie die Kugel eines Roulettspiels, bis sie dann irgendwo ihren festen Platz findet.

Jeder Gedanke und jeder Entscheidungsprozess wird von Vorgängen in Milliarden Nervenzellen der neuronalen Netzwerke in meinem Gehirn begleitet, die sich in Botenstoffen, elektrischen Impulsen und Rückkopplungsschleifen äußern.

Folgen die irgendwelchen Regeln? Bestimme ich die Regeln? Wer ist dieses „Ich“?

Es scheint so zu sein, dass das Gehirn bereits entschieden hat, bevor mein Bewusstsein den Entschluss erlebt.

Entscheide dann wirklich noch ich bewusst?

Überhaupt. Wann entscheide ich wirklich bewusst? Handele ich nicht fast immer automatisch?

Sind wir nicht extrem komplexe biologische Roboter, die oft aus letztlich nicht wirklich nachvollziehbaren Gründen dies oder jenes tun?

Subjektiv denken wir, wir handeln frei

Selbst wenn ich durch so Vieles beeinflusst bin und wenn alles vorherbestimmt wäre, so erscheint es mir doch so, als könnte ich frei handeln. Ich hätte auch anders entscheiden können.

Weil auch geistige Zustände bedingt sind, sind sie veränderbar. Deshalb kann ich beeinflussen, welche Entscheidungen in der Zukunft in mir entstehen werden.

Ich besitze die Fähigkeit zur Selbstreflexion. Dadurch entsteht ein Spielraum, in dem ich verschiedene Möglichkeiten simulieren kann. Ich kann überlegen, was ich in der gegebenen Situation tun sollte, über meine Motive nachdenken, mir meiner Wünsche bewusst werden, Gründe prüfen, aus Erfahrungen lernen, meine Aufmerksamkeit lenken und meine Gewohnheiten ändern, langfristige Ziele verfolgen und impulsive Reaktionen hemmen.

Fazit

Ich weiß nicht, ob mein Wille wirklich völlig frei ist. Aber ich bin in der Lage, ihn aktiv zu beeinflussen. Deshalb bin ich für meine Taten verantwortlich.

Achtsamkeit, Übung und Einsicht können die Bedingungen verändern, unter denen künftige Entscheidungen in mir entstehen. So gesehen ist Freiheit weniger eine absolute Unabhängigkeit von Ursachen als eine wachsende Befreiung des Geistes von seinen unbewussten Konditionierungen und automatischen Reaktionen.

Manchmal gibt es diese Momente, wo ich klarer denken kann. Es fühlt sich immer so an als ob ich kurz wach bin und dann bald wieder in unkontrollierte Gewohnheiten verfalle.

Das ist ein wesentliches Ziel der Meditation, bewusst zu werden und die Kontrolle über mich selbst zu erlangen. Damit übernehme ich auch die Verantwortung für mein Handeln.

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