Meditation Klang – eine Achtsamkeits-Challenge. Wie schlage ich den Gong richtig?

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Meditation Klang – eine Achtsamkeits-Challenge. Das klingt ganz banal: Einen Gong sanft und achtsam und trotzdem kraftvoll schlagen. Dein Geisteszustand zeigt sich in der Art, wie du den Gong klingen lässt.

Meditation Klang

Das hört sich banal an. Und ist es auch. Es geht um Achtsamkeit und ganz alltägliche Dinge: Einen Gong anschlagen.

Mit einem Gong habe ich das erste Mal konkret Bekanntschaft gemacht, als ich vor sehr viele Jahren ein langes Zen-Sesshin besuchen durfte, ein Schweigeseminar im meditativen Sitzen unter der Leitung eines großen und großartigen Meisters – Sasaki Roshi.

Diesen Meister haben wir nur sehr gelegentlich gesehen, denn nur, wenn wir ihm unsere Antwort oder auch Nicht-Antwort auf unser Koan präsentieren durften. Wir saßen dann vor einem großen an einem Gestell befestigten Gong. Und wenn der Mensch vor mir den Raum des Roshis verlassen hatte und ich an der Reihe war, oben auf einem Treppenabsatz sitzend – musste ich mich ankündigen, indem ich den Gong schlug.

Und der musste genau in der rechten Art geschlagen werden. War es nicht schwungvoll genug, entstand kein Ton, war der Schlag zu schwungvoll, purzelte der Gong samt Gestellt mit lautem Gepolter eine lange Treppe hinunter.

Das waren die Extreme. Selbst wenn der Gong ohne Komplikationen geschlagen wurde, konnte der Roshi am Klang heraushören, wie es mit mir bestellt war.

Und dann losrennen, niederknien, die Hände aneinander – Gasho. Und wenn ich einen Fehler mache, etwas vergesse, greift der Meister zu seinem Glöckchen. Ich war entlassen noch bevor ich etwas sagen konnte. Bis zu nächsten Versuch am nächsten Tag.

Es ist eine enorme Achtsamkeitsübung, den Gong zu schlagen. Natürlich kann man wild auf das Metall hauen. Dann gibt es einen scheppernden Krach. Das mag gut sein, um anzuzeigen, dass eine Pause zu ende ging.

Der Klang kann sehr melodisch sein oder auch scheppernd. Jeder Schlag ist einzigartig. Achte auf die Unterschiede. Versuche einen melodischen Ton hervorzubringen.

Man kann den Gong sanft und achtsam und trotzdem kraftvoll schlagen. Dein Geisteszustand zeigt sich in der Art, wie du den Gong schlägst. Versuch einmal den Ton leise klingen zu lassen.

Jede kleine Variation verändert den Klang gewaltig – ob du mehr den Rand, die Kante oder die Seite triffst. Gibt es wirklich einen runden, melodischen Klang? Hört sich das richtig gut an? Mir fällt auf, dass der erste Ton meist ganz spontan wunderbar klingt. Dann versuche ich beim nächsten Schlag den gleichen Ton zu treffen. Das erscheint fast unmöglich.

Das ist eine ziemliche Herausforderung, den Gong achtsam und sanft zu schlagen und drei Schläge hintereinander einen vergleichbaren Ton zu treffen, nicht zu laut und nicht ganz leise und gleichzeitig vollvolumig melodisch. War der Klang bei jedem Schlag gleich laut/leise, gleich intensiv? Oder war der erste Schlag ziemlich leise und der letzte viel zu laut?

Lass nach jedem Schlag den Ton sanft verklingen. Erstaunlich, wie lange noch etwas nachhallt.

Schamanen verwenden ihre Trommel als Reittier. Das heißt, sie folgen dem Klang mit ihrem Geist und ihr Geist wandert in andere Welten und Realitätsebenen. Das geht auch mit dem Gong oder der Klangschale.

Ein schöner Ton läd zum Verweilen ein. Er ist wie ein Fahrzeug für den Geist. Ich steige auf den Ton und reise mit. Eine Reise in den weiten Raum und in die Stille. Ich folge einem einzelnen Klang, wie er schwingt und weiter zieht, sich in alle Richtungen ausbreitet und der Geist wird ebenso weit und immer weiter, bis in den Zustand ohne Gedanken und den nicht-dualen Bereich hinein, in dem es keine Subjekt-Objekt-Beziehung gibt und kein Ego existiert. So wie sich eine Farbspur im Wasser auflöst. Keine Gedanken und voll wach. Meditation Klang.

Ob du einen Gong nimmst oder eine Klangschale ist wohl Geschmackssache. Ich verwende Klangschalen. Viel einfacher sind Zimbeln. Wenn man die an ihren Bändern hält und achtsam anschlägt, gibt es fast immer einen schönen Klang.

Ganz anders verhalten sich Holzbrettchen oder Holzglocken, die im Zen Fisch genannt werden. Da gibt es ein dumpfes Geräusch. Da kommt es mehr auf die Abfolge der Schläge, den Rhythmus an.

Wie bei allem: Gut den Gong zu schlagen ist nicht einfach. Da hilft nur – üben.

Meditation Klang. Mit so etwas trainieren Meister ihre Schüler.

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Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Franz

    Hallo Tomo,
    jetzt denke ich darüber nach mir einen Gong zu kaufen,
    weisst du wo ich mir welche in Köln besichtigen kann?
    Besten Gruss 🙂

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