Ermahnung. Mönche als Füchse in einer japanischen Zen-Kalligraphie

Ermahnung. Sind die Dinge so, wie sie scheinen? Japaner stellen sich traditionell Füchse als Verwandlungskünstler vor. Man weiß nie so genau, woran man bei ihnen ist. In einer Hängerolle vergleicht der großen Zen-Meister Nantenbô Mönche mit Füchsen. Er mahnt: „Mönche, die ihr durch die Welt zieht, gebt Acht, auch wenn ihr Mönchsgewänder trägt, seid ihr Füchse.“

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Sind die Dinge so, wie sie scheinen? Das ist ein Frage, die Buddhisten gründlich untersuchen. Sie sind zu der Überzeugung gekommen, dass die Dinge existieren. Das lässt sich schlecht leugnen. Gleichwohl sind sie in ihrer Essenz leer. Nichts bleibt so, wie es ist. Alles verwandelt sich und wird schließlich vergehen.

Dazu passt, wie sich Japaner traditionell Füchse vorstellen. Füchse sind Boten des Reisgottes. Aber wichtiger sind ihre magischen Zauberkräften. Je mehr Schwänze ein Fuchs habe, desto größer sei seine Stärke und seine Weisheit. Füchse gelten als furchterregende, verschlagene und hinterlistige Wesen. Sie werden mit unerklärlichen Ereignissen in Verbindung gebracht.

Ihre wichtigste Fähigkeit ist die der Verwandlung. Als Verwandlungskünstler weiß man nie so genau, woran man bei ihnen ist. Das passt gut zu dem „Die Dinge sind anders als sie scheinen“.

Obwohl Füchsen positive und negative Aspekte zugeschrieben werden, haben sie letztlich keinen guten Ruf. Sie verwandeln sich häufig in eine menschliche Gestalt. Sie können sich als Priester oder Mönche ausgeben, um Menschen guten Rat zu geben, sie zu schützen und ihnen zu helfen. Sie können Menschen aber auch täuschen und ihnen Verderben bringen. Sie könnten sogar den Geist eines Menschen in Besitz nehmen. In einer Erzählung sucht ein Fuchs in Gestalt eines Priesters einen Jäger auf und hält ihm ein Predigt über die Übel der Fuchsjagd. Schöne Frauen, die Männer hintergingen, wurden für verkappte Füchse gehalten.

Die vorliegende Hängerolle stammt von dem großen Zen-Meister Nantenbô. Sie zeigt einen Fuchs mit einem Stab, der auf einem Felsen sitzt.

Das muss man wissen. Die Gestalt würde man nicht sofort als Fuchs erkennen. Das Bild ist hingehauen. Es ist nicht besonders kunstvoll. Es entspricht einerseits dem Zen-Stil. Da ist vieles spontan, unmittelbar, aus dem Moment entstanden und wirkt manchmal nur angedeutet. Und das ist andererseits auch modern. Das hätte auch ein Beuys malen können. Ich denke an seine Schamanenarbeiten.

Die dazu gehörige Schrift lautet:

Yo watari no uki kaboshu yudansuna i kite mo kitsune narikeri

Mönche, die ihr durch die Welt zieht, gebt Acht, auch wenn ihr Mönchsgewänder trägt, seid ihr Füchse.“

Die Absicht des Meisters scheint recht klar. Das ist eine Ermahnung an seine Schüler.

Das kommt ja durchaus vor, dass diese ach so spirituellen Menschen nach außen fromm tun, aber innerlich ganz profan sind. Verhaltet euch nicht wie Füchse, die nur vorgeben, Priester oder Mönche zu sein, die aber letztlich Menschen täuschen und oft unredliche Absichten verfolgen. Seid ehrlich und hilfsbereit. Täuscht die Menschen nicht. Helft ihnen wirklich und seid für sie da. Seid liebevoll. Also genau das Gegenteil von dem, was man den Füchsen nachsagt.

Nakahara Nantenbô wurde am 3. April 1839 geboren und ist am 12. Februar 1925 gestorben. Auf dieser Hängerolle bezeichnet er sich selbst als der 79-jährige Alte – „Nanajukyu o“ und „Nantenbo Toju“. Demnach ist dies Kunstwerk um 1918 entstanden.

Nakahara Nantenbô war ein japanischer Zen-Meister im Übergang vom 19. zum 20. Jahrhundert. In Japan umfasst das die Meiji-Zeit (1868-1912) und die Taisho-Zeit (1912-1926) – Zeiten der teils erzwungenen Anpassung an die westliche Kultur. Diese Zeit ist vielfach bestimmt von diesem Zwiespalt – der Übernahme neuer Ideen und dem Bewahren des Überkommenen. Das hat auch diesen Zen-Meister geprägt. Er hat neue Wege erprobt. Das gilt sowohl für seine Rolle als Priester als auch für seine Rolle als Künstler. Er hat auf seinem Gebiet einen Weg ins 20. Jahrhundert geebnet.

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