Koan-Sammlungen – Die Essenz des Zen-Buddhismus

Koan. Zwei Sammlungen von Fragen, die helfen, unsere Achtsamkeit auszudehnen in einen Bereich jenseits des konventionellen Geistes.

koan

Wer sich mit Zen beschäftigt, kommt um diese Sammlungen nicht herum. Sie bewahren die Essenz. Das sind zwei faszinierende Bücher mit jeweils ähnlichem Inhalt. Sie geben einen intimen Einblick in eine zunächst fremde Welt, die gleichwohl nicht völlig unvertraut ist und mit der Lektüre immer vertrauter wird.

Das sind Begebenheiten aus einer Zeit, als der Zen-Buddhismus entstand. Sie zeigen die Lebenswirklichkeit in den Klöstern des alten China mit ihren knorrigen Vorstehern. Und weil es letztlich darum geht, wer ich selbst bin und wie die Realität als solche beschaffen ist, ist das Thema sehr viel breiter.

Die eine Koan-Sammlung aus 48 Beispielen hat der chinesische Meister Huikai, der sich auch Mumon nannte – „Kein Tor“, im 13. Jahrhundert zusammengestellt und mit Kommentaren und Erklärungen versehen. Sie heißt in der deutschen Ausgabe „Zu den Quellen des Zen“. Dieser Titel ist nicht irreführend. Doch der Originaltitel zeigt mehr.

Chinesisch heißt die Sammlung Wúménguān und japanisch Mumonkan – 無門關.

Es lohnt sich, die chinesischen Zeichen anzusehen:

nein“, „nichts“, „kein“

Tor“

schließen“, „verschlossen“.

Da klingt einiges an: kein Tor, verschlossenes Tor, Barriere. Das fühlt sich schon an wie ein Koan.

Das andere Werk verwendet in der deutschen Ausgabe den chinesischen Titel „Bi-Yän-Lu. Niederschrift von der Smaragdenen Felswand“. Von den 100 Beispielen sind dort nur 50 vollständig editiert. Die Begebenheiten wurden von dem chinesischen Meister Yüan-wu im 12. Jahrhundert zusammengestellt und kommentiert.

Die Geschichten kann ich lesen, um eine Atmosphäre zu schnuppern. Ich könnte mich sogar daran versuchen, die hier versammelten Fragen zu enträtseln. Auch wenn ich nicht wirklich vorhabe, diese Koans zu lösen, so kann die Beschäftigung mit ihnen durchaus zu Einsichten führen.

Was ist ein Koan?

Ein Koan ist eine Frage, die in den Sammlungen in eine Geschichte eingebettet ist. Sie helfen unsere Achtsamkeit auszudehnen, in einen Bereich jenseits – jenseits des konventionellen Geistes, jenseits von Denken, von Konzepten, von Dualität, von Dies und Das. Sie können den Blick öffnen auf die wahre Natur der Wirklichkeit.

Inhalte

Die Koan-Sammlungen gehen weit über die eigentliche Frage hinaus. Da wird die Situation geschildert, aus der heraus die Frage entstanden ist. Und es gibt Kommentare und kleine Gedichte. Aber es wäre ein Fehler zu meinen, dass darin unmittelbar Lösungen angesprochen wären. Vielmehr sind das immer wieder quasi weitere Koans.

Wie mit den Koans gearbeitet werden kann

Meister Mumon beschreibt es treffend:

Es ist, als würdest du eine glühende Eisenkugel schlucken. Du versuchst, sie auszukotzen. Aber du kannst es nicht.

Die Frage macht ratlos. Ich stehe vor einer Barriere. Ich versuche alles. Und alles ist falsch.

Fatal an dieser Suche nach einer Antwort ist, dass ich noch nicht einmal weiß, wonach ich suche. Sonst könnte ich mir einen Plan machen und Schritte zur Lösung überlegen.

Unser gewöhnliche Geist ist sehr nützlich für das tägliches Überleben in dieser Welt. Aber hier hilft er nicht weiter. Wenn ich nachdenke und mit Begriffen hantiere, verheddere ich mich im Gestrüpp.

Ein Kōan zwingt, die Bahnen des rationalen Denkens zu verlassen und über das gewöhnliche Bewusstsein hinauszugehen und in unbekannte Dimensionen vorzustoßen.

Existenzielle Selbsterfahrung

Dann sitze ich da und starre auf die Wand – in manchen Klöstern gilt das buchstäblich. Verzweiflung. Was soll das? Nimmt mich der auf den Arm? Ich sitze Tag für Tag und Woche für Woche und weiß nicht weiter.

Zen ist reine Erfahrung. Die existenziellen Probleme sollen nicht durch heilige Texte, religiöse Lehren, Riten und Traditionen oder philosophische Konzepte gelöst werden. Auch die Weisheitslehren selbst werden infrage gestellt.

Mumon sagt:

Der große Pfad hat keine Tore.
Tausende von Wegen führen zu ihm.
Wenn du durch diese Schranke gehst,
dann kannst du dich frei zwischen Himmel und Erde bewegen.

Fragen und Antworten aus Koans:

Der Meister hält einen Bambusstock hoch und sagt gleich dazu: Wenn ihr das einen Stock nennt, dann hängt ihr an dem Namen, wenn ihr es keinen Stock nennt, leugnet ihr das Faktum.“

Der Meister isst einen Keks. Ein Mönch fragt, ob der Keks im Himmel oder auf der Erde ist. Antwort: „Der Keks ist gegessen.“

Was ist Buddha? Antwort: „Drei Pfund Flachs.“

Ein Mönch bittet um Unterweisung.
Der Meister fragt: „Hast du gefrühstückt?“
„Ja, das habe ich“, antwortet der Mönch.
»Dann«, sagt der Meister, »wasche deine Schüssel.«

Was ist Buddha? Antwort: „Ein Scheißstock!“

Eine Fahne flattert im Wind. Ein Mönch meint, ein Wind wehe. Ein anderer vertritt die Meinung, die Fahne bewege sich. Der Meister hört die Diskussion und sagt: „Euer Geist bewegt sich.“

Plötzlich schwieg Buddha und hielt eine Blume in die Höhe. Alle wunderten sich. Nur einer lächelte.

Wenn du einen Mann des Weges triffst, dann grüße ihn nicht mit Worten und nicht mit Schweigen. Wie wirst du ihn grüßen?

Es ist wie ein Ochse, der durch ein Fenster geht. Sein Kopf, seine Hörner und seine Beine sind alle hindurch gegangen. Weshalb geht sein Schwanz nicht hindurch?

Was ist das für eine Zeit, wenn sich sie Bäume verfärben und die Blätter fallen? Antwort: „Dann legt der goldene Wind sein ganzes Wesen bloß.“

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Dieses Buch enthält und kommentiert ostasiatische Kalligraphien:

ZEN + NICHT-ZEN. Gedanken zu ostasiatischen Kalligraphien

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