Nach dem Tod – Was ist die Hölle?

Nach dem Tod. Ist die Hölle ein Ort, der tatsächlich irgendwo zu finden ist, mit schlimmsten Foltern oder auch seelischen Qualen, Orten unerträglicher Kälte oder schrecklicher Hitze, finsteren Räumen oder trostlosen Ebenen? Oder ist die Hölle ein Zustand meines Geistes, hier in dieser Welt oder auch in einem Jenseits?

nach-dem-tod

 

Es ist lächerlich zu meinen, wir wüssten ganz genau, also wortgetreu, was uns im Jenseits erwartet. Alles Jenseitige ist im Diesseits eine Hoffnung, die wir nur in Form eines Gleichnisses uns aneignen können: ahnend, hoffend und in Demut.“

Rabia al Adawiyya, eine islamische Mystikerin

Vorstellungen

Die mir bekannten Religionen wetteifern darin, was die Hölle genau ausmacht, wie sie ausgestaltet ist und wie sie funktioniert. Die Vorstellungskraft des menschlichen Geistes ist nahezu unbegrenzt, aber von dem geformt, was unsere Welt bietet. So ist es zu vielfältigen und fantasievollen Horrorvorstellungen gekommen. Da hat man sich vorgestellt, es gäbe Orte, die tatsächlich konkret irgendwo zu finden seien, mit schlimmsten Foltern oder auch seelischen Qualen, Orten unerträglicher Kälte oder schrecklicher Hitze, finsteren Räumen oder trostlosen Ebenen.

Das Urteil über Himmel und Hölle werde von Richtern oder von einem Gott an einem jüngsten Tag gefällt; oder es hänge vom Schicksal oder einem Geschick ab, eine extraschmale Brücke zu überqueren oder von einem Fährmann mitgenommen zu werden.

Da gäbe es Höllenqualen, die irgendwann vorbei sind, oder ewige Verdammnis oder die vollständige Auslöschung. Einige meinen, alle würden erlöst, andere nehmen die aus, die gerade diesen Glauben nicht teilen. Manche meinen sogar, es hinge von der Willkür eines Gottes ab, ob ich erlöst oder verdammt werde.

Bestimmte negative Taten wurden mit kongruierenden schrecklichen Orten verbunden, zu einem logisch erscheinenden ausgefeiltem System. Die Vorstellung von Bereichen nach dem Tod, die mit den Taten im Leben korrespondieren, klingt gleichzeitig logisch als auch konstruiert.

Was ist der Zweck von Höllenvorstellungen?

Die Religionen behaupten Himmel und Höllen sowie Wiedergeburten in guten und schlechten Bereichen, um die Menschen zu einem in ihrem Sinne gutem Leben anzuhalten.

Das Gerechtigkeitsgefühl verlangt Konsequenzen für negative Taten. Manchmal kommen Übertäter in dieser Welt ungeschoren davon. Da muss eine überirdische Gerechtigkeit greifen.

Die Absicht, Menschen Furcht vor drakonischen Strafen einzujagen, um sie davon abzuhalten, in irgendeiner Weise schädigend zu handeln, ist an sich nichts Schlechtes. Kritisch wird es, wenn einzig der Glauben an das eigene System als seligmachend dargestellt und „Ungläubigen“ die Verdammnis mit ewigen Bestrafung angedroht wird.

Der Buddhismus und der Hinduismus könnten ohne Höllen auskommen. Da gibt es den Gedanken des Karma mit einer sozusagen eingebauten Gerechtigkeit. Jeder bestraft sich letztlich selbst.

Aber auch der Buddhismus und der Hinduismus kennen Höllen mit ziemlich detaillierten Beschreibungen, in denen die Verstorbenen ihren Taten entsprechend bestraft werden.

Weil nach diesen Lehren nichts von Dauer ist, muss auch eine Existenz im Himmel oder in der Hölle zeitlich begrenzt sein. Ich bleibe so lange in einem Bereich, bis das Resultat meiner positiven oder negativen Handlungen aufgebraucht ist und ich in einem anderen Bereich wiedergeboren werden kann.

Zustand des Geistes

Vielleicht sind Himmel und Hölle keine Orte, sondern ein Zustand meines Geistes. Wenn ich selbst etwas Schreckliches getan haben, wird mich das verfolgen. Ich versuche, es zu verdrängen, aber es kommt immer wieder hoch und verfolgt mich bis in meine Träume. Das sind eindringliche Erfahrungen des Leidens, einem Alptraum ähnlich, der sich intensiv und sehr real anfühlt.

Wenn ich eine finstere Atmosphäre von Aggressivität gegen alles und jeden verbreite, wird meine Emotion auf mich selbst zurück strahlen. Andere Menschen werden mich ablehnen und mich so in meinen Zwangsvorstellungen festhalten. Auch das ist Hölle.

Hölle ist Angst – eine Angst, die schlimmer ist, als alles Grauen dieser Welt, als Folter, Krieg, Krankheit und Sterben. Dies Grauen ist endlich, bekannt, begreifbar. Hölle ist etwas anderes. Sie kann in jedem Gegenstand, in den Falten eines Gewandes, in den Figuren eines Bildes lauern. Etwas, das unter der Tür her fließt, das durch massive Wände gleitet. Keine festen Begrenzungen, nicht ganz von dieser Welt, doch in ihr und deshalb keine Chance zu fliehen, kein sicherer innerer oder äußerer Ort.

Ich kann mir vorstellen, dass ich diese Vorstellungen, Gefühle und lebendigen Erinnerungen über den Tod hinaus aufrecht halte. Da bin ich dann in einer als sehr konkret empfundenen Hölle – ob ich mich da in einem jenseitigen Bereich sehe oder ob das nun eine Wiedergeburt in einem solchen Bereich ist.

Eine Klarheit nach dem eigenen Tod lässt mich vielleicht sehen, was ich an Schrecklichem getan habe, wie sich die Opfer meines Tuns gefühlt haben. Das kann entsetzlich schmerzen und könnte auch ein Gefühl von „Hölle“ sein.

Vielleicht ist der Geist auch in der Lage, eine Hölle zu schaffen, die genau so aussieht, wie sie meine Religion beschreibt. Da kann ich mir Teufel und Dämonen vorstellen, die mich unsagbar foltern, unsägliche Einsamkeit, eine Existenz als Hungergeist oder eine immerfort sinnlose Tätigkeit, die ich gleichwohl nicht lassen kann.

Möglichkeit der Befreiung

Ich bin ziemlich sicher, wir schaffen die Höllen selbst. Es ist „lediglich“ meine Wahrnehmung. Ein Wesen nimmt die Umgebung als Höllenbereich wahr und ein anderes dieselbe Umgebung als einen Bereich der Glückseligkeit.

Wenn ich meine Hölle selbst schaffe, dann darin liegt auch eine Verheißung. Dann kann ich sie aus eigener Kraft verlassen. Es müsste reichen, meine Wahrnehmung und die damit verbundenen Gefühle als Illusion zu erkennen. So könnte ich aus jedem guten und auch aus jedem noch so schlimmen Bereich augenblicklich befreit sein. Mit der Erkenntnis und dem Loslassen ist der Bereich verschwunden und es hat ihn nie gegeben.

Das erstrebenswerte Ziel ist nach buddhistischer und hinduistischer Vorstellung nicht ein himmlischer Ort, sondern der Ausstieg aus dem Kreislauf der Wiedergeburten. Das Ziel wird erreicht durch die Erkenntnis, dass diese Realität und auch der, mit dem ich mich identifiziere, gar nicht real existiert, sondern nur eine Illusion ist, geschaffen aus der Energie meines eigenen Geistes.

Das klingt einfach. Tatsächlich ist es wohl noch nicht vielen Wesen gelungen.

raum-fuer-meditation

 

Unten auf dieser Seite könnt Ihr den Artikel kommentieren. Ich würde mich über Kommentare freuen.

Und ihr könnt meine regelmäßigen Beiträge auch abonnieren.

follow.it | Feedburner Alternative – Get more readers

Hier geht’s zu den Tipps zur Meditation:

https://www.raumfuermeditation.de/meditation-tipps/

Das ist die Startseite zu “Raum für Meditation”: 

https://www.raumfuermeditation.de/

Schreibe einen Kommentar